Eine Woche Hong Kong

13.-19.5.
Haben eine unverplante Woche vor uns. Hatten eigentlich geplant die Zeit zu nutzen, um von hier aus nach Vietnam zu reisen. Leider macht uns der angekündigte Taifun Chanchu einen Strich durch die Rechnung. Zu diesem Zeitpunkt befindet er sich über den Philippinen und hat laut Nachrichten in Manila schon einige Opfer gefordert. Jetzt steuert er mit seiner ganzen zerstörerischen Kraft über das chinesische Meer direkt auf Hong Kong zu.
Wir verfolgen seinen Weg aufmerksam im Internet. Beschließen lieber kein Risiko einzugehen. Entscheiden uns für die Zeit hier in unserer sicheren Unterkunft bleiben.
Außerdem hören wir in den Nachrichten, dass ein heftiges Erdbeben Jakarta und die umliegenden Gebiete in Indonesien erschüttert hat. Glücklicherweise bin ich schon drei Wochen aus Jakarta weg. Nicht auszudenken was gewesen wäre, wenn es schon zu dem Zeitpunkt meines Konzertes dort stattgefunden hätte.
Das Wetter wird spürbar schlechter. Der Taifun kündigt sich mit starkem Wind und Regen an.
Wir lassen uns die Laune nicht verderben. Machen Ausflüge, gehen shoppen, und treffen uns mit Bekannten zum Abendessen. Es bleibt trotz des Nieselregens angenehm warm. Fahren nach Stanley, wo der Hong Konger Yuppie an der Promenade sein abendliches Bier trinkt. Essen eine köstliche Peking Ente.
Die Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen auf Grund der Taifunwarnungen sind in vollem Gange. Überall Warnschilder mit Angabe der Stärke. Es werden Netze gespannt. Schiffe werden aufgefordert, den nächsten sicheren „Taifun-Shelter“-Hafen anzulaufen, und es gibt Warnhinweise auf Sturmfluten und Riesenwellen. Der Sturm nimmt zu.
Glücklicherweise zieht der Taifun, der sich über dem chinesischen Meer etwas abgeschwächt hat, etwa 300 km nördlich an Hong Kong vorbei und richtet dort auch keine allzu großen Schäden an.
Nutzen das besser werdende Wetter zu einer herrlichen Wanderung über die Berge von Hong Kong Island zur Repulse Bay. Benannt nach den Piraten, die dort vor etwa 200 Jahren erfolgreich zurückgedrängt wurden.
Auf dem Weg entdecken wir an den Bäumen riesige bunte Raupen. Allerdings gibt es auch sehr viele Libellen, die nur darauf warten, des die Raupen zum Schmetterling werden.
Essen im berühmten schwimmenden Jumbo Restaurant in der Bucht von Aberdeen.
Diese als Restaurants umgebauten Holzschiffe sind früher in der Bucht herumgefahren. Nach einer Brandkatastrophe vor Jahren, bleiben sie jetzt fest an der Hafenpier verankert.
Die Speisekarte bietet alles was das Herz begehrt.
Hier eine kurze Auflistung dessen was wir gegessen haben:
-Peking Ente in drei Gängen.
Erst werden die Entenscheiben mit der krossen, glasierten Haut mit etwas Gurke, Frühlingszwiebeln und einer Soße in Pfannkuchen eingewickelt. Zum Reinlegen!
Im zweiten Gang wird der Rest der Ente als Hack mit Pilzen und Bambus serviert.
Zum Schluss wird aus dem Rest eine Suppe gekocht.
Am Ende ist zwar von der Ente nicht mehr viel übrig, aber sie hinterlässt ein paar glückliche Speisende.
-dunkelgrüne so genannte 100 jährige Eier.
Rohe Hühner- oder Enteneier weden über 50 bis 100 Tage hinweg in einem Gemisch aus Kalk, Pinienasche und Salz gelagert. Das macht sie nicht nur überaus haltbar, sondern sie bekommen auch eine schwarz-schrumplige Färbung. Das Eiweiß im Inneren wechselt ebenfalls zu dunklen Grün- und Schwarztönen.
Gegessen mit Sojasoße oder Zucker.
Beides überdeckt den strengen Eigengeschmack nicht. Sie schmecken aber interessant, wie Alfred Biolek sagen würde. Der Gedanke an das Alter der Eier verbessert den Genuss nicht merklich.
-Muscheln. Grosse Scallops. Lecker! (Das sind die typischen großen Muscheln, die man bei uns als Seifenschalen bekommt)
-kroß gebratener Schweinebauch. Etwas fett, aber köstlich.
-Stargrouper, ein Fisch mit festem weißen Fleisch, gedünstet.
-Als Krönung „Alien“-Shrimps, wie sie von uns genannt werden. Das sind etwa 30 cm große, unglaublich hässliche Viecher. Der richtige Name lautet Mantis Shrimp, und sie erinnern auch optisch etwas an das Insekt die „Gottesanbeterin“. Sie haben zwei im Ruhezustand angelegte große messerscharfe Werkzeuge, die blitzschnell hervorschnellen können um Fische zu zerteilen. Jetzt zerteilen wir die Mantis-Shrimps. Geschmacklich zwischen Hummer & Scampi. Ich genieße meinen Platz am oberen Ende der Nahrungskette.
Das ganze haben wir mit ein paar Bier und einem süßen Pflaumenwein runtergespült.
(Die getrockneten Eidechsen zum Nachtisch waren dann beim besten Willen nicht mehr zu schaffen.)
Danach sind wir dermaßen in Feierlaune, dass wir uns als Kaiserpaar fotografieren lassen. Das wäre uns im nüchternen Zustand nicht passiert.
Wir rollen nach Hause.







