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Tonga, die heilige Insel

8.00 Uhr
Werden von der Durchsage des Kapitäns geweckt, wir lägen heute erstmals nicht auf Reede, sondern haben direkt an der Pier von Nuku'alofa/Tonga festgemacht. Wir sind also nicht auf Tenderboote angewiesen, sondern können individuell jederzeit von Bord.

9.00 Uhr
Lassen uns genüsslich zu einem ausgiebigen Frühstück nieder. Ziehen uns allerdings wegen der großen Hitze in den Innenraum des Restaurants zurück.
Das kleine Insel-Königreich Tonga haben wir mit Spannung erwartet. Durch TV-Berichte haben wir schon daheim einiges darüber erfahren. Sind aber beim ersten Anblick des Hafens erst einmal enttäuscht. Container und verrostete Frachter (Seelenverkäufer) liegen unordentlich im Hafenbecken. Kräne, die nicht mehr in Betrieb zu sein scheinen, und Benzintanks machen die morbide Szenerie komplett.
Wir erfahren, dass der König von Tonga sehr deutschenfreundlich sein soll. Sein Leibarzt ist Deutscher und er soll auf einer Deutschlandreise begeistert von unserer Heimat jedem Deutschen ein Stück Land auf seiner Insel versprochen haben. (Daran konnte er sich allerdings später nicht mehr erinnern.)
Die Aristokratie auf Tonga ist sehr verkrustet und die Blaublüter sind korrupt. Erst kürzlich ist ein millionenschwerer illegaler Giftmülltransfer zwischen den USA und Tonga aufgeflogen.

11.00 Uhr
Nehmen uns ein Taxi. Für 50 US Dollar fährt er uns bis 15.00 Uhr durch die Gegend. Benzin ist aber, so berichtet er, in den letzten Jahren auf der Insel sehr teuer geworden. Für eine Tankfüllung muss er umgerechnet 100 US Dollar bezahlen. Frage mich insgeheim, wie sich unsere Tour rechnet. Merke aber später, die Insel ist nicht besonders groß. Wir durchqueren das Haupt-Örtchen von Nuku´alofa ("Insel der Liebe").
Kleine Läden links und rechts. Es ist sehr heiß. Der Fahrtwind bringt ein wenig Kühlung.
Wir halten am Wegesrand. An den Bäumen längs der Straße hängen Flughunde mit einer Flügelspannweite von bis zu einem Meter. Im Moment schlafen sie allerdings. Flughunde sind nachtaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Früchten.

Abbildung 1

Das Inselinnere ist bäuerlich verschlafen. Wir fahren an einer Palmenanpflanzung vorbei. Der Taxifahrer erklärt, es sei ein Areal, das den Mormonen gehöre, einer sehr streng gläubigen christlichen Vereinigung. Die Südsee scheint mir in der Tat ungeheuer christlich bekehrt zu sein. Die Menschen, die hier leben, scheint das aber wenig zu belasten.

Abbildung 2

Man sieht überall liebevoll geschmückte Grabstätten.

12.00 Uhr
Wir erreichen die andere Seite der Insel. Dort erwartet uns ein unglaubliches Naturspektakel.
Zehn Meter hohe Wellen brechen sich unmittelbar an der schroffen Küste. Die Gischt spritzt mehr als 20 Meter durch die Luft. Die Wucht der Wellen hat im Gestein Löcher ausgewaschen, durch die das Wasser in Fontänen nach oben gepresst wird. Die so genannten Blow-Wholes.

Abbildung 3

Wir stellen uns direkt an die Kante und lassen ein Foto von uns machen. Werden dabei pitschenass. (Der Lektor, der bestimmt ein duzend mal an dieser Stelle gewesen ist, sagt später, er habe Wellen solchen Ausmaßes dort noch nicht erlebt.)

13.00 Uhr
Fahren wieder zurück auf die andere Seite der Insel.
Der Palast des Königs erinnert an eine mittelgroße Villa an der Elbchaussee.

Abbildung 4

Nix besonderes.
Ist sowieso keiner zu Hause. Der König befindet sich auf Kur im Ausland. Er hat mit seinen zwei Zentnern ein chronisches Problem mit seinem Gewicht und den daraus resultierenden Zipperlein.

13.30 Uhr
Der Taxifahrer lässt uns Downtown aussteigen. Stöbern ein wenig durch die Läden und bleiben in einem niedlichen kleinen Straßencafé hängen.
Der Besitzer, ein dicker etwas schmieriger Typ, ist anscheinend ein Amerikaner. Das Café hat mit den ordentlich bemalten Speise-Tafeln und seinem geschmackvollen Interieur einen moderneren Einschlag als die anderen Läden darum herum. Ich habe das Gefühl, hier weht noch ein Hauch Kolonialismus durch das Café. Er erzählt stolz, die verstorbene Königin habe die Terrasse des Cafés als besonderen Ort heilig gesprochen.
Wir erfahren von ihm, dass gerade letzte Woche drei "Nobles" (Stadtväter, eine Art Bürgermeister) gestorben sind. Einer der "Nobles" sei in Amerika im Alter von 45 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Auch er wird nicht sehr schlank gewesen sein.
Weil es der Brauch gebietet, muss der Körper von einem Familienangehörigen nach Tonga zurückgeholt werden. Sein Bruder ist aber zwei Tage vorher gestorben. Also ist sein Vetter hingeflogen. Dieser hat auf dem 13-stündigen Rückflug eine Trombose nicht überlebt. Tragisch.

14.30 Uhr
Unser Taxifahrer wartet vor dem Restaurant und fährt uns zurück zum Anleger.