Bericht vom Konzert in Neubrandenburg am 1.Mai
Joja Wendt - Back to the roots
von AndreasSegeth @ 2010-05-02 – 01:38:27
Eigentlich wollte ich heute Abend beim Konzert von Joja Wendt in der Konzertkirche nur noch ganz schnell, gestresst und übellaunig ein Foto für eine Bina (NK-Jargon für Bildnachricht) machen und dann schnell nach Hause düsen. Immerhin währte mein Arbeitstag schon 12 Stunden und am Sonntag ist noch viel zu schreiben. Allerdings konnte ich mich letztlich der Faszination des Konzerts nicht entziehen und blieb dann doch bis zum Ende kurz vor 23 Uhr.
Für die Kunstbanausen unter uns Bloggern: Wendt ist ein (einst von Joe Cocker entdeckter) Ausnahmepianist mit vielen Meriten und schaffte es heute mühelos, die Konzertkirche allein zu füllen: Mit toller Musik und sehr viel Humor. Mit Neubrandenburg verbindet ihn dazu einiges. Immerhin war sein Ururgroßvater einst Propst in der Neubrandenburger Marienkirche - genau dort, wo er als Nachfahre Karl-Johan ("Joja") heute sein umjubeltes Konzert gab. Schon zu DDR-Zeiten hatte der Hamburger (Jahrgang 1964) als Jugendlicher den Ort seiner Ahnen bereist - unter anderem stattete er - laut einer seiner vielen heute dargebrachten Anekdoten - der legendären Diskothek "Kraftverkehr" einen Besuch ab (wenn ich mich nicht irre, sorgte diese einst in der Ihlenfelder Straße für Unruhe). Und: Wohl nicht zu jedem Konzert wird Joja Wendt von seinen Eltern begleitet - was heute Abend sicher der sentimentalen Verbindung zum Ort des Geschehens geschuldet war.
Gut gelaunt und mit absoluter Könnerschaft spielte Joja Wendt sein Programm - von Jazz über Boogie Woogie und Rock bis hin zu Klassik. Mit viel Selbstironie, Charme und Leichtigkeit unterhielt er sein Publikum, das nicht nur aus der Viertorestadt, sondern von Anklam bis Luzern (natürlich extra!) angereist war. Lieblingskategorie: Die schwersten Klavierstücke der Welt, die eigentlich nur vier- bis sechshändig zu spielen sind. Lieblingssatz: "Das hat es soooo in dieser Form - heute Abend - noch nicht gegeben!", mit ganz viel Schalk vorgetragen... Er schaffte es sogar, uns dröge Mecklenburger nicht nur mehrfach zu Standing Ovations zu animieren, sondern auch "Freude schöner Götterfunken" zu singen; und zwar rückwärts - als vermeintlich transsilvanische Volksweise...
Ein Augenschmaus: Die riesige, vielfarbig illuminierte Leinwand, auf der seine Hände während des Spiels zu sehen waren - obwohl er bei Rimski-Korsakows "Hummelflug" dann doch den Kampf Mensch gegen Maschine gewonnen hat - hier war die Kamera beim Hämmern auf den Tasten nicht mehr in der Lage, eindeutige Bilder einzufangen.
Unvergessen übrigens seine Ankündigung, dieses Jahr auf dem Viertorefest zu spielen - und in drei Jahren auf der Goldenen Hochzeit von Hartmut und Irene...
Fotos: Segeth

































